05/03/2021 – „Einmal ins Ungewisse, bitte“ oder „Man darf ja noch träumen“

(zwei frei erfundene Kurzgeschichten)

„Moin, seid ihr Segler?“, sprach ich. Und wusste gar nicht, dass ich mit nur diesen 4 Worten mein gesamtes Leben auf den Kopf stellen würde. Die zwei Pärchen antworteten mit einem breiten Grinsen.

„Ja, sind wir. Du auch?“.

„Nein, zumindest noch nicht.“ musste ich entgegnen. „In welche Richtung seid ihr unterwegs?“

„Europa, aber wir warten noch auf bessere Bedingungen um weiter zu segeln. Bist du etwa auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit?“

„Vielleicht.“

Sie boten mir einen Stuhl an und ich setze mich mit einem Gefühl, das mir sagte, dass gerade etwas Großartiges passiert.

Wir redeten etwas über die Insel, über die Schwierigkeiten mit der portugiesischen Sprache und erzählten gegenseitig von unseren Abenteuern.

Die Welt scheint so klein, wenn man mit Reisenden unterwegs ist. Die großen Geschichten von den Abenteuern auf den karibischen Inseln mit dem Segelboot, klingen aus den richtigen Mündern so routiniert wie der tägliche Gang zum Bäcker.

Ich mag es wenn die ganze Welt in so einem Moment auf die Größe des Cafétisches zusammen schrumpft und man mal wieder bestätigt bekommt, dass einfach alles, was man sich vorstellen kann auch wirklich möglich ist. Wir tranken noch einen Galão, einen portugiesischen Milchkaffee, und bestellten eine Runde „Pastel de Nata“.

Unten am Dock zeigten sie mir ihren Kahn. Ein schönes modernes Segelboot im typischen Weiß gehalten. Schnittig sah es aus, aber was wusste ich schon von Segelbooten.

In ein paar Tagen würden sie wieder in See stechen. Dann steht der Wind besser und die Wettervorhersage sagt zumindest für die nächste Woche Sonnenschein. Perfekt für die letzte Etappe in den heimischen Hafen, Hamburg war das Ziel.

Wie alles zusammenspielt, wenn man dem Leben freien Lauf lässt. Wenn man nicht zu viel im voraus plant und sich nicht von der Ungewissheit der nächsten Schritte verunsichern lässt. Die nächsten zwei Wochen auf See sollte das mitunter spannendste Erlebnis meines Lebens werden. Kostenlos, ungeplant und zusammen mit den nettesten Menschen der Welt.

03/08/2031 – Auf einer Veranda in Kanada

Jahrelang war diese Idee in meinem Kopf. Ich, auf einer Veranda sitzend mit der Gitarre. Mein Blick wandert über die weiten Felder Westkanadas. Zeit ist überhaupt kein Thema mehr. Ich sehe mein Gemüse wachsen, während ich die Erlebnisse meines Lebens in amerikanisch angehauchte Folklieder gieße. Auch wenn ich weit im Norden des amerikanischen Kontinents wohne, schwingt der Bluegrass Sound der Südstaaten bis hierher. Im Sommer ist es im Okanagan fast so warm wie in Texas und der  Strom vom gleichnamigen Fluss ist so wild wie der Mississippi.

Die Gelassenheit findet man hier auf jeden Fall. Ich weiß noch, wie ich damals nach Kanada kam. Als frisch gebackener, junger Gemüsegärtner fing ich bei einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo von Saskatchewan an zu arbeiten. Damals wusste ich nicht wie lange ich es überhaupt hier aushalten würde, geschweige denn bleiben darf. Und doch sagte mein Gefühl: „Lange“.

Das ist jetzt schon 7 Jahre her und mittlerweile bin ich hier mehr zu Hause als sonst wo auf diesem wundervollen Planeten. Saskatchewan wurde mir im Winter irgendwann zu kalt und irgendwie wusste ich von Anfang an, dass ich mich im Okanagan niederlassen werde. Mein Akzent ist kaum mehr von dem der Kanadier zu unterscheiden und auch wenn ich immer mal wieder ein bisschen australisches Neuseeländisch von meinen früheren Abenteuern um mich werfe, merkt das kaum jemand. Der Downunder Slang von dem deutschen Weltenbummler kommt auch hier super gut an.

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