14/02/2021 – Eine Woche Transit auf den Azoren

Es ist nun eine Woche her, seit wir unsere Reise nach Flores in den Azoren angetreten haben. 7 verrückte Tage und 5 Flüge kreuz und quer von einer Azoreninsel zur Anderen.

Es ist mittlerweile Alltag für uns jeden Morgen die Rucksäcke zu packen und uns erwartungsvoll mit ungefähr 20 weiteren gestrandeten Reisenden und Einheimischen in die Lobby zu setzen, die auf diese mysteriöse Insel wollen. Mittlerweile zweifle ich sogar daran, ob es Flores überhaupt gibt. Es wird gesagt, dass die schlimmen Wetterbedingungen und der starke Wind aus den immer falschen Richtungen die Ursache für unser Feststecken ist, aber wir fantasieren mittlerweile darüber, ob die Insel erst aus Traumplasma hergestellt werden muss oder ob sich das schwarze Loch zum Paralleluniversum einfach nicht öffnen lässt.

Auf jeden Fall versuchen wir seit einer Woche zu dem Grundstück meiner Reisebekanntschaft durchzudringen. Eigentlich wollte ich ja gar nicht mehr so viel Fliegen, aber man kommt eben nicht wirklich anders auf diese Inseln inmitten des Atlantik und wenn man gefragt wird, ob man im Austausch gegen Mithilfe kostenlos auf einer kleinen Farm auf einer Insel wohnen möchte, sagt man eben nicht „Nein“.

Auf Terceira durften wir sogar zwei mal mitsamt Gepäck und der ganzen Meute an den Flughafen fahren, einchecken, um dann nach 2 Stunden Wartezeit wieder zurück zum Hotel geschickt zu werden.

Achja, die Hotels. Zum Glück ist die Azorean Airline SATA so zuvorkommend und lässt die Gestrandeten in (azorisch gezählten) 4* Sterne Hotels mit Vollpension unterkommen. Und so sitzen wir jeden Morgen mit Blick auf das Meer im Speisesaal und bedienen uns beim Frühstücksbuffet. Und das für Umme. Man kann auch mehr Pech haben im Leben.

Und obwohl dieses Prozedere mittlerweile eine ganze Woche geht, ist die Stimmung unter den Reisenden sehr gelassen. Die Männer hängen abends klischeemäßig vor dem Fernseher in der Lobby und gucken Fußball und die Frauen verteilen sich mit Büchern und Smartphones auf den Sofas.

In Deutschland würde das ganze glaube ich nicht so entspannt ablaufen. Wahrscheinlich wäre die Airline schon 10 mal verklagt worden, ein paar Reisende hätten vom ganzen Rumschreien ihre Stimme verloren und der Hotelangestellte, der den Kontakt zur Airline hält und uns täglich die Nachricht verkündet, dass wir wieder nicht fliegen können, wäre sicher schon lange nicht mehr am Leben. Aber alle hier erwarten schon fast, dass wir nicht fliegen und schieben nach der Stunde Wartezeit in der Lobby ihre Koffer wieder brav in ihre Hotelzimmer.

Man kennt sich mittlerweile und geht sich nur minimal auf den Sack. Ein paar wenige Kontakte werden sich nach dieser Woche im Transit vielleicht sogar halten. Die zwei jüngsten Gestrandeten, ein circa zweijähriger Junge und ein 3-jähriges Mädchen, sind mittlerweile beste Freunde. Und ich habe auch ein paar interessante Charaktere kennen gelernt.

Irgendwie hat es niemand wirklich eilig überhaupt ans Ziel zu kommen. Dann muss man ja auch wieder sein Bett selbst machen und für das eigene Essen aufkommen und wer will das schon. Man gewöhnt sich irgendwie an den Komfort. 

Morgen soll es aber dann schlussendlich weiter nach Flores gehen. Die Wetter- und Windvorhersagen sehen gut aus. Und dann heißt es abtauchen in die Wildnis. Nach einer Woche 4* Sterne Hotel heißt es dann Selbstversorgerfarm im Nirgendwo. Keine heiße Dusche ohne vorher Wasser zu kochen, keine Heizung ohne Holz zu hacken und keine Toilettenspülung. Die eigenen Ausscheidungen werden kompostiert. Aber genauso wie an den Luxus, wird man sich auch daran gewöhnen.

Im Austausch gegen den Luxus bekommt man dafür die Freiheit von städtischem Lärm, Meeresrauschen, frisches Gemüse aus dem Garten und ständiger Blick in die Natur und übers Meer. Ein Leben im Einklang mit der Natur? Zumindest ein Versuch und nach den wilden Transitflügen auf jeden Fall nötig um meinen CO2 Fußabdruck wieder etwas nach unten zu drücken. Auf jeden Fall freue ich mich drauf.

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